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Unternehmensbewertung online
Carl W. Barthel
Unternehmenswert: Glaubwürdigkeitsattribution von
Argumentationswerten
Dr. Carl W. Barthel StB/vBP, Köl-niIst In eigener Praxis tätig und auf die Erstellung von Gutachten spezialisiert.


1. Einleitung
Der erste Aspekt zur inhaltlichen Ausprägung der Argumentationsfunktion besteht in der zielführenden Optimierung des Verhandlungsprozesses, der zweite hier interessierende Aspekt in der Attributierung ei-nes von der betrachtenden Partei präsentierten Werts als "glaubwürdig" durch einen Bewertungsad-ressaten als Voraussetzung zur Konfliktlösung, also zur Erlangung von Akzeptanz als drittem Aspekt1).
Das von einer Partei oder von einer neutralen Institu-tion (z.B. Gericht, Schiedsmann)2) gewünschte Ziel der Akzeptanz eines präsentierten Unternehmens-werts durch den oder die Bewertungsadressaten kann durch die rationale Auswahl von Handlungsal-ternativen innerhalb der bestehenden Aktionsräume (z.B. bezüglich der Bewertungsverfahren und in-nerhalb der Bewertungsverfahren bezüglich der be-stehenden, faktisch vorhandenen Ermessensspiel-räume) bzw. durch einen Mix aus verschiedenen Handlungsalternativen gefördert werden. Ein Akti-onsraum kann aber in Verhandlungen nicht isoliert im Vordergrund der Betrachtung zur Erlangung der letztlich gewünschten Akzeptanz eines präsentierten Angebotswerts (d.h. eines offen gelegten Argumen-tationswerts) stehen; das zusätzlich zu beachtende Bedingungsfeld bei Auswahlhandlungen ist charak-terisiert durch die Beurteilung der "Glaubwürdig-keit" durch die jeweiligen Bewertungsadressaten, an der die einzelnen Handlungsalternativen einer Partei und der hiernach fundierten Unternehmens- oder Anteilsbewertung gemessen werden können.
Es ist nicht rational, einen als unglaubwürdig er-achteten Wert als Preis zu .,akzeptieren"; umge-kehrt ist es bei einem als glaubwürdig erachteten Wert durchaus rational, einen noch günstigeren Preis anzustreben, weil kein Zwang zum Ver-tragsabschluss besteht. Der Fall, dass es zu einer Akzeptanz kommt, ohne dass zumindest eine der Parteien von der Glaubwürdigkeit des Angebots-werts der Gegenseite überzeugt ist, wird annahme-gemäß ausgeschlossen, da bis zur Akzeptanz jede Partei über die Handlungsalternative "Verhand-lungsabbruch" verfügt.
Somit ergibt sich die Fragestellung, welchen Stel-lenwert die "Glaubwürdigkeit" eines präsen-tierten Unternehmenswerts im Laufe des Verhand-lungsprozesses hat, welche Bezugsgrößen für die Attribution von Argumentationswerten existieren und wie diese Bezugsgrößen auf den Argumentati-onswert (Angebotswert) einwirken3).

II. Selektionskriterium "Glaubwürdigkeit"
Das Selektionskriterium "Glaubwürdigkeit" (trustworthiness) ist gegenüber anderen
elementaren Bedingungen für einen sachlichen Umgang der Parteien untereinander wie "Vertrauenswürdigkeit", "Gerechtigkeit"4), "Kompetenz"5) (expertness), "Sympathie", "Wahrhaftigkeit", "Ehrlichkeit", "Zuverlässigkeit", "Integrität", "Seriosität", "Professionalität", deshalb von zentraler Bedeutung, weil dieses Kriterium unmittelbar an die Zielgröße "subjektive Überzeugung in Bezug auf die Richtigkeit eines Bewertungsergebnisses" anknüpft und eine einmal verlorene Glaubwürdigkeit nur sehr schwer zurückge-wonnen werden kann. Es gehört z.B. im Rahmen einer forensischen Glaubwürdigkeitsbeurteilung zu einer uneingeschränkten richterlichen Überzeugungsgewissheit, dass das Gericht die volle Überzeugung von der Wahrheit (= Glaubwürdigkeit), und nicht etwa nur die Überzeugung von der hohen Wahrscheinlichkeit, erlangt haben muss.
"Glaubwürdigkeit" ist keine unmittelbare Eigenschaft des Verwenders eines Bewertungsergebnisses, sondern eine vom Rezipienten attributierte Eigenschaft. Obwohl die meisten Rezipienten sich selbst eine hohe Fähigkeit bezüglich der Einschätzung von Glaubwürdigkeit zuschreiben, dürfte die Erkennungsrate von Täuschungen eher niedrig sein. Glaubwürdigkeitsverluste ergeben sich neben Täuschungen auch aus Enttäuschungen, z.B. in Bezug auf die Geheinhaltung übermittelter Daten, die Einhaltung eines vereinbarten Zeitplans u.ä.. Enttäuschungen sind die Folge nicht erfüllter Erwartungen. Erwartungen sollten nicht geweckt werden oder man sollte sie nur entstehen lassen, wenn sie gegenüber der anderen Seite erfüllt werden können. Es gilt das Primat der kontextorientierten Glaubwürdigkeitsbeurteilung) gegenüber einer lediglich inhaltsorientierten Glaubwürdigkeitsbeurteilung.




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